Modulbeine

Die Mitglieder des Stammes der FREMOikaner fahren große Autos, um ihren Krempel zu Treffen fahren zu können. Alle? Nicht alle! Bei einigen ist das Limit für die transportierbare Menge an Ausrüstung nicht die Innenraumgröße der Familienkutsche, sondern die Höhe des Wohnsitzes. Wer sein Zeug alleine über vier Stockwerke Altbau durch ein enges Treppenhaus bugsieren muss, der achtet auf a) die Anzahl der Treppengänge b) das Gewicht eines Paketes c) die Breite der Treppe. Modulbeine für eine Schienenoberkante von 1,3 Meter sind am Stück nicht nur sperrig im Kleinwagen, sie erfordern auch einen zusätzlichen Treppengang. Besser wäre es, wenn die Beine in den Modulpaketen selbst untergebracht werden können.

Nicht schon wieder ein neues Beinsystem! wird sich so mancher denken. Es gibt im FREMO schon genügend Varianten! Gibt es offenbar nicht! Ich kenne nämlich keines, was die folgenden Anforderungen erfüllt:

  • in einem 80 cm Modulkasten zu transportieren, also teilbar
  • ohne Spezialwerkzeug herstellbar
  • leicht und trotzdem stabil
  • für 130 cm und 110 cm Schienenoberkante geeignet
  • höhenverstellbar um mindestens +/-3 cm, und NICHT unten am Fuß

Ein Nachteil sei nicht verschwiegen: Man benötigt mehr Zeit beim Aufbau und Abbau der Module. Bei einem zum Transport zusammengeschraubten Beinpaar muss man jeweils die Flügelmutter ganz abschrauben, die Teile aufeinander nehmen, wieder zusammen setzen, die Querstrebe einfädeln und die Flügelmutter wieder aufschrauben. Beim Zusammenlegen das Ganze wieder umgekehrt.

Eine Vorversion, die bereits einige dieser Anforderungen erfüllt, hatte ich schon bei meinen ersten beiden Bogenmodulen gebaut. Als die Menge meiner Module wuchs, erschien mir selbst diese Konstruktion zu schwer. Erleichterungen hineinfräsen? Das war mir zu aufwändig. Eine Gitterkonstruktion sollte es werden. Warum die Teile nicht einfach aus geschickt abgelängten Leisten zusammensetzen? Als Werkzeug benötigt man lediglich ein Lineal, eine Säge, einen Bohrer, Schraubzwingen und eine gerade Tischkante. Und Leim. Und etwas Geduld.

Serie I (2011)

Die Zeichnung zeigt links das obere Teil, rechts das untere Teil, für Aufbauhöhe mit Schienenoberkante auf 130 cm. Die beiden Teile sind zur Verdeutlichung nebeneinander gezeichnet, gehören jedoch übereinander geschraubt. Sie sind jeweils 70 cm lang. Ich habe 13x9 mm Leisten verwendet. Die Maße sind lediglich als Beispiel gedacht. Man kann davon abweichen. Das obere Beinteil wird im Modul von einer Schlossschraube in einer Modulquerwand gehalten. Diese befindet sich ca. 58 mm unterhalb der Schienenoberkante, also etwa in Mitte der Höhe der Modulwand. Am unteren Ende des oberen Beinteils ist auch eine Schlossschraube eingeklebt, die oberes und unteres Beinteil verbindet, die Querstrebe hält und eine Höhenverstellung erlaubt. Das rote Quadrat am Ende des unteren Teils ist eine Nase aus Leistenmaterial, die in den Schlitz vom oberen Teil greift und einen Verdrehschutz ergibt. Ganz rechts auf der Zeichnung, also am Beinfuß, der letzte kurze Schlitz ist nötig. Durch dieses "Loch" geht im zusammengelegten Zustand die Schlossschraube des oberen Beinteils. Damit lassen sich beide Teile plus Verstrebung beim Transport zusammenschrauben. Die Nase (rotes Quadrat) greift dabei durch das obere Ende vom oberen Teil. Klingt vielleicht alles etwas kompliziert, ist es aber nicht. Die Bilder sollten Klarheit schaffen.

Serie II (2020)

Als weitere Module entstanden, brauchte ich natürlich auch mehr Beine. Da die 13x9 mm Leisten nicht mehr aufzutreiben waren, bin ich auf 15x10 mm Leisten umgestiegen und habe zusätzlich ein paar Maße variiert. Der hauptsächliche Unterschied ist, dass die Abstandsstücke, die in Serie I 90 mm lang sind, hier nur 70 mm Länge haben. Damit vergrößert sich der Einstellbereich noch einmal um 20 mm. Ein einzelnes Bein wiegt ca. 80 g mehr, ist jedoch auch etwas stabiler.

Serie III (2026)

Sechs Jahre später waren wieder 6 zusätzliche Beine fällig. Sie sind vom Öffnungsmuster gleich der Serie II (daher keine neue Zeichnung oben), jedoch bestehen sie aus 7x15 mm Leisten. Die Gedanke war, besonders leichtgewichtige Beine zu haben, die jedoch trotzdem stabil genug sind. Die Wahl fiel auf 7 mm Dicke, da im zusammengelegten Zustand die Verbindungsschraube von 6 mm Durchmesser noch reichlich Luft im Zwischenraum hat. Das andere Maß, die 15 mm, habe ich von Serie II übernommen. Ergebnis: Stabile Beine, jetzt 80 g leichter als Serie I und damit 160 g leichter als Serie II.

Außerdem habe ich als Verbindungsschraube anstatt einer Schlossschraube eine Senkkopfschraube verwendet und den Kopf auch schön im Holz versenkt, um hier eine bündige Fläche zu erhalten. Beim Kauf sollte man unbedingt darauf achten, dass sie die richtige Länge hat, damit auch eine Strebe montiert werden kann und das Gewinde lang genug aufgeschnitten ist. Ich habe eine 50 mm lange Schraube mit durchgehendem Gewinde erst nach längeren Suchen im Baumarkt finden können.

Zusammenfassung der Maße und Gewichte

SerieLänge AbstandsstückLeistenquerschnittSchraubenkopfGewicht Einzelbein
I90 mm13x9 mmSchloss290 g
II70 mm15x10 mmSchloss370 g
III70 mm15x7 mmSenk210 g

Tips zum Bau

  • Wer eine Kreissäge hat, sollte sie benutzen. Anschlag einstellen und Teile gleicher Länge in Serie ablängen.
  • Von den üblichen 1 m langen Leisten trennt man zunächst jeweils die 70 cm ab. Man erhält pro Leiste 30 cm Abschnitt. Für ein Bein sind 4 Leisten nötig. Die 4 x 30 cm Anschnitt reichen für alle Abstandstücke. Man braucht beim Kauf also nicht noch an zusätzliche Leisten für die Abstandsstücke zu denken.
  • Erst alle Teile zurecht sägen, dann erst mit dem Verleimen anfangen.
  • Man sollte beim Verleimen streng darauf achten, dass die Längskanten der Abstandsstücke gut fluchten. Also sorgfältig arbeiten.
  • Früher habe ich alle Einzelteile eines Beins in einem Rutsch verleimt (siehe Bild unten). Heute mache ich das in zwei Schritten. Zuerst leime ich die mittleren Teile an eine Längsleiste. Dabei halten Klammern die Teile fest. Im zweiten Schritt, wenn der Leim einigermaßen fest ist, setze ich die andere Längsleiste auf. Erst dafür muss das Bein an einer geraden Kante aufgespannt werden, damit das Ergebnis auch wirklich gerade wird.
  • Die Anzahl Beine, die man pro Tag herstellen kann, wird durch die Anzahl zur Verfügung stehenden Klammern, Klemmen, Schraubzwingen oder Schnellspannern begrenzt (und geraden Kanten 😏).
  • Holzleisten mit gleicher Querschnittsangabe sind nie genau gleich. Es lohnt sich, die Unterschiede auszumessen, und den Abschnitt mit der flachsten Leiste für die Führungsnase einzusetzen. Andersherum sollte man für die Abstandsstücke die dickeren Leisten verwenden. Somit kann die Nase gut in dem Abstand gleiten und klemmt nicht etwa bei der Justierung der Modulhöhe.

Sh0

So sieht ein Beinpaar, hier eingestellt für 130 cm Schienenhöhe, aus.

Die Verbindungsschraube dient gleichzeitig auch zur Höhenjustierung und Halterung für die Querstrebe. Die Länge richtet sich nach Leistenquerschnitt und Dicke der Querstrebe.

Zur Verdeutlichung hier die Verbindung einmal auseinander genommen. M6 Schlossschraube im oberen Teil fest eingeklebt. Man beachte die Führungsnase am unteren Teil, die in den Schlitz vom oberen Teil greift.

Ein unteres Beinteil. Hier wird in einem Rutsch verleimt. Heute verleime ich in zwei Schritten, siehe Bautips. Man braucht dafür keine Hobelbank. Jede gerade Tischkante tut es auch.

Blick von unten in die Beinhalterung (M6 Schlossschraube), hier an einer Querstrebe im Modul ...

... und hier an der Modulstirnwand vom Bahnhof Neuntal, rechts oben im Bild und noch ohne Unterlegscheibe und Flügelmutter.

Auf einem Bein kann man nicht stehen. Hier liegen 3 Beinpaare, bereit zum Transport.

Und hier kuscheln sie, gemeinsam mit einem Beinpaar der ersten Generation, in einem 80 cm langem Modulkasten.

3 Beinpaare der Serie II.

5 Beinpaare der Serie I, gebunkert im Schattenbahnhof Frankental

Serie III. Senkkopf- anstatt Schlossschraube.

home